Silvano Repetto
Unnütze Projektionen

30.0128.02.2021
#masi@home

Silvano Repetto, Performance inutile n. 2505.
In 200 km Entfernung ein Stück Brennholz für den Kamin finden
©2020 Silvano Repetto

In einer Welt, die zunehmend stärker auf Effizienz, Produktivität und Zeitoptimierung ausgerichtet ist, verweisen Silvano Repettos Aktionen augenzwinkernd auf dadaistischen Nonsense und erinnern daran, dass nicht immer alles zweckrational motiviert sein muss. Seine von ihm als „unnütz“ bezeichneten Performances sind gewollt unmögliche Missionen, Aktionen, die keine Spuren oder Geschichte hinterlassen würden, wären da nicht seine Erzählung oder die mit meist behelfsmässigen Mitteln geknipsten Bilder davon.

Jene, die gelingen könnten, scheinen ihn nicht zu interessieren, da seinem Verständnis zufolge gerade das Nichtgelingen eine Performance legitimiert und für ihren Erfolg sorgt. Humorvoll und ohne jede Absicht, intellektuelle oder symbolische Interpretationen zu liefern, präsentiert Repetto verspielte, aus Gedankenblitzen entstandene Visionen, die Logik und Selbstverständlichkeit von Dingen auf den Kopf stellen.

Silvano Repetto, Performance inutile n. 4004.
Allein in einem Wald in der Zentralschweiz Verstecken spielen
©2020 Silvano Repetto

Für die online Ausstellung des MASI hat Silvano Repetto seine Performance inutili bisher in Form kurzer Videos festgehalten. Während er seine Performances in Einzelfotos dokumentierte und daraus Postkartenserien machte, schuf er diesmal eine filmische Version von zehn Performances, die hier zum ersten Mal gezeigt werden.

Seine Werke provozieren einen Kurzschluss, damit durchbricht er intellektuelle Barrieren, sorgt für Staunen, lädt dazu ein, Kunst zu erleben, ohne sich davor zu fürchten, ihre Nutzlosigkeit zu offenbaren. Vielmehr unterstreicht er, in den Fussstapfen berühmter Vorgänger, wie wichtig Dinge sind, die keinen praktischen Zweck erfüllen. Vielleicht liegt Repettos Nutzen des Unnützen genau darin, dass er uns an etwas erinnert, was der italienische Philosoph Umberto Galimberti so ausgedrückt hat: „Entweder man bleibt vor etwas Nutzlosem stehen, das einen Wert in sich hat, oder die ganze Nützlichkeitskette ist bedeutungslos!“

Video
Performance inutili

8'

Silvano Repetto, Performance inutile n. 2707.
Ein riesiges Grasfeld mit einer Nagelknipse schneiden
©2020 Silvano Repetto

Foto
Performance inutili

12'

Silvano Repetto, Performance inutile n. 4400.
Versuchen, innerhalb einer Minute zu einem Fossil zu werden
©2020 Silvano Repetto

Silvano Repetto, Performance inutile n. 5555.
Mit einem grossen Felsen reden
©2020 Silvano Repetto

Biografie

Silvano Repetto

Geboren 1968 in Mendrisio, lebt und arbeitet in Lugano. Nach dem Abschluss in Dekorativer Kunst am CSIA (Centro Scolastico Industrie Artistiche) in Lugano folgte 1992 das Diplom der Kunstakademie von Florenz. Seit den 1990er-Jahren hat er an verschiedenen Ausstellungen teilgenommen oder (ganz im Repetto-Stil) nicht-teilgenommen, in jüngster Zeit etwa an Il Respiro dell’Arte im Palazzo Ducale in Genua (2020); mit der Videoinstallation L’ospite inatteso an der Triennale von Mailand (2018); mit der Performance Io resto fuori an der 14. Ausgabe der internationalen Ausstellung documenta in Kassel (2017); mit der Performance Esserci o non esserci an der Armory Show von New York (2017); in London an der Ausstellung Fama_Fame im Art Lab Studio ASC (2015); mit der Installation Videoelemosina im Museo d’Arte von Mendrisio (2015).

Silvano Repetto ist auch als Regisseur und Produzent tätig, 1993 gründete er das IFDUIF Video Festival, Akronym für „Il Figlio Di Ubaldo Il Falegname“ und Name seiner Produktionsfirma IFDUIF Film.